Die schonende Handwäsche von Fahrzeugen ist aufgrund des empfindlichen Lacks eine Sache für sich. Wohingegen einige denken mit dem Besuch der Waschbox und einer ordentlichen Wäsche mit der Schrubberbürste sei es getan, verbringen andere Stunden damit ihr Fahrzeug penibel zu reinigen. In dem Artikel zu Waschkratzern haben wir erläutert wie sie entstehen und dass die Schrubberbürste sicherlich keine gute Wahl ist. Jetzt werden wir schauen was nötig ist, um das Auto oder Motorrad möglichst frei von Waschkratzern zu waschen und auch korrekt zu trocknen.

Für eine gründliche Wäsche sollte folgendes Zubehör bereitliegen:

  1. Wascheimer inkl. Schmutzfang mit min. 10L Wasser – als Schmutzeimer
  2. Wascheimer mit 7-10L Waschwasser – als Shampooeimer
  3. ein geeigneter Waschhandschuh
  4. Shampoo
  5. Vorreiniger
  6. Pinsel für Kanten und Dichtungen
  7. optimalerweise einen Schaumsprüher/Pumpsprüher
  8. 1-2 Trockentücher je nach Fahrzeuggröße und Wassermenge
  9. Alles rund um die Felgenreinigung

Grundlegend ist es ratsam mit zwei Eimern zu Waschen. Hierbei dient ein Eimer als „Schmutzeimer“ in welchem der Waschhandschuh lediglich ausgewaschen wird. Ein weiterer Eimer dient als „Shampooeimer“ und beinhaltet das schaumige Gut (bsp. Nano Magic Shampoo), hier kommt der Waschhandschuh nur rein, nachdem er im Schmutzeimer ausgewaschen wurde. Zumindest in den Schmutzeimer wird ein Schmutzfang eingesetzt um grobe Schmutzpartikel am Boden des Eimers zu halten, optimalerweise wird ein weiterer Schmutzfang in den Shampooeimer gesetzt. Mit der Methode können wir den Waschhandschuh bestmöglich sauber halten und somit für möglichst wenig bis keine Waschkratzer sorgen.

Waschhandschu auf dem Lack

Vor der Außenwäsche

Als Erstes werden für gewöhnlich die Felgen und Radkästen gereinigt, hierzu gibt es demnächst einen Beitrag mit allen Feinheiten.

Nach den Felgen sind die Tür- und Kofferraumkanten dran. Hierzu nehmen wir einen Pumpsprüher her und sprühen die Kanten ein. Anschließend werden sie mit einem Pinsel gereinigt. Dabei sollte etwas acht auf Scharniere und Fangbänder gelegt werden: Fett soll nicht entfernt werden!

Auch die untere Türkante sollte mit dem Pinsel gereinigt werden, hier sammelt sich häufig ordentlich der Dreck. Zum Abschluss werden die Kanten einmal durchgespült und mit der Außenwäsche begonnen.

Eingeschäumter Kantenbereich
Reinigung der Kanten mit einem Pinsel
Schriftzug Reinigung

Die Vorwäsche

Bevor es an die eigentliche Wäsche geht, muss das Auto gründlich abgespült werden. Zur optimalen Vorbereitung wird der Schmutz mithilfe eines Schaumsprühers & einem Vorreiniger angelöst. Besonders der Front kann hier hinsichtlich Insektenresten etwas Aufmerksamkeit geschenkt werden sodass diese schön gelöst sind bevor wir mit der Wäsche beginnen. Der Reiniger wird satt aufgesprüht um jeden Winkel zu erreichen, bei starken Verschmutzungen kann das Auto auch 2-3mal mit dem Reiniger eingesprüht werden.

Während der Reiniger seine Arbeit verrichtet, gehen wir mit einem Pinsel alle Dichtungen an Seiten- und Frontscheibe sowie Kunststoffzierleisten nach, um auch dort etwaigen Schmutz zu entfernen. Sind diese sehr dreckig, sollte das vor dem Einschäumen separat geschehen, da ansonsten der Vorreiniger antrocknen kann.

Sind alle Dichtungen sauber und hat der Reiniger 2-3 Minuten gezogen, ohne dabei anzutrocknen, wird das Fahrzeug gründlich abgespült. Dabei wird mit dem Dach begonnen, besonders aus den Dachleisten löst sich, bei seltener Wäsche, ein halber Regenwald welcher sich über das ganze Auto verteilt. Um diesen Schmutz im Nachgang während der Handwäsche nicht mit dem Waschhandschuh aufzunehmen, arbeiten wir uns beim spülen von oben nach unten – von Dach zu Schweller. Das Dach wird rundum abgespült, erst danach widmen wir uns der Motorhaube, Seiten und Kofferraum.

Sobald das Fahrzeug rundum vorgereinigt ist und sich keine losen, groben Schmutzpartikel mehr auf dem Lack befinden, können wir mit der Handwäsche beginnen.

angelöste Insektenreste
eingeschäumter VW Golf
Vorwäsche

Die schonende Handwäsche

Das Auto ist nun gründlich abgespült und von groben Schmutz befreit worden. Unsere Eimer stehen mit einer schaumigen Mischung Waschwasser und einem Schmutzfang parat. Der flauschige Waschhandschuh liegt bereit und wartet darauf über den Lack zu gleiten. Der Shampoo-Eimer wird einmal mit dem Hochdruckreiniger aufgeschäumt und dann geht es los.

Wie auch bei der Vorreinigung, beginnen wir mit dem Dach und arbeiten uns über die Motorhaube, zu den Türen, hin zum Heck. Mithilfe des Schmutzeimers wird grober Dreck vom Waschwasser isoliert und vom Schmutzfang vor der erneuten Aufnahme mit dem Waschhandschuh zurückgehalten. Der Waschablauf sieht also so aus:

  1. sauberer Waschhandschuh
  2. Shampooeimer → Shampoo aufnehmen
  3. Fahrzeugpartie bearbeiten
  4. Schmutzeimer → Waschhandschuh auswaschen
  5. Shampooeimer → Shampoo aufnehmen
  6. wie 3. etc.

Wie groß die Fläche ist, welche mit einem „Zug“ bearbeitet wird, ist abhängig vom Waschhandschuh, Shampoo und Verschmutzung des Fahrzeugs. Es läuft allerdings bei gepflegten Fahrzeugen oft auf ein ganzes oder halbes Bauteil hinaus. Bei starken Verschmutzungen gilt es ohnehin den Waschhandschuh besser einmal mehr als zu wenig auszuwaschen.

Während der Wäsche sollte der Handschuh lediglich über den Lack „geführt“ werden. Ein minimaler Druck ist sicherlich vorhanden, es wird aber weder geschrubbt noch fest gedrückt – dabei wären Kratzer vorprogrammiert. Fallen noch hartnäckigere Verschmutzungen auf muss mit Geduld gearbeitet werden oder es kann, je nach Shampoo, noch einmal der Vorreiniger hergenommen werden.

Generell ist bei der Reinigung darauf zu achten, dass Shampoo und Reiniger idealerweise nicht antrocknen können. Besonders im Sommer sollte man gezielter darauf achten, denn dann ist es häufig so, dass die eine Seite schon abtrocknet, während die andere noch gewaschen wird. In diesem Fall sollte das Fahrzeug zwischendurch abgespült werden um unschöne Ränder und Flecken zu vermeiden.

Nachdem der Lack soweit komplett gewaschen wurde, werden zum Schluss einmal die Schweller sowie die unteren Bereiche der Stoßstangen nachgegangen. Diese sind vorzugsweise erst am Ende der Wäsche zu reinigen, da hiermit viel grober Schmutz im Handschuh landet.

Danach ist es geschafft, noch ein letztes Mal wird der Wagen gründlich abgespült um die letzten Shampoo- und Reinigerreste zu entfernen.

Das Trocknen

Immer wieder wird uns im netten Gespräch mit dem Kunden berichtet, dass der Wagen nach der Wäsche „auch ordentlich abgeledert wird“. Das Gefühl welches Aufbereiter nach dieser Aussage verspüren, ist vom Stechen im Magen bis zum Schauer über den Rücken sehr vielfältig 😉 Bitte ledert den Lack nicht ab. Bereits leichter Schmutz im Leder kann für unschöne Kratzer sorgen und das Lackbild stark in Mitleidenschaft ziehen. Stand der Zeit sind extra dicke, extrem saugfähige Mikrofasertücher.

Zuvor werden allerdings die Tür- und Kofferraumkanten mit einem separaten Tuch und einem leichten Detailer (Quick&Shine, CitrusBling) getrocknet und schlierenfrei zum strahlen gebracht.

Je nach Größe und Form des Fahrzeugs müssen häufig zwei Trockentücher verwendet werden. Eines wird genommen um die groben Wasserreste aufzunehmen, dabei hinterlässt es unweigerlich eine feine Wasserspur welche beim abtrocknen möglicherweise Flecken hinterlassen würde. Um dem entgegen zu wirken, sorgt das zweite Trockentuch dafür, das Wasser nahezu restlos aufzunehmen.

Die Trockentücher werden auf Haube und Dach lediglich auf den Lack gelegt und anschließend darüber gezogen, ohne jeden Druck. Hierbei geht es ja nicht ums reinigen, sondern nur um die Aufnahme von Wasser, Druck ist dabei nicht erforderlich. Um die Türen und Heckklappe zu trocknen sollte das Tuch ordentlich gefaltet und anschließend über den Lack geführt werden. Dabei darauf achten, dass der Rand des Tuchs nicht direkt über den Lack gezogen wird – nahezu alle Ränder machen Kratzer! Darum das Tuch möglichst nicht „zufällig zusammengeknüllt“ über den Lack schieben.

Natürlich erleichtert ein schönes Wachs, eine Keramikversiegelung oder auch nur ein Shampoo mit Wachszusätzen das Trocknen enorm, da der Großteil des Wassers einfach abfließen kann.

Das Finish

Um dem Lack den letzten Schliff zu verleihen können die letzten Schlieren mit einem Quickdetailer oder einem Sprühwachs und geeignetem Mikrofasertuch entfernt werden. Anschließend werden die Scheiben gereinigt und nach belieben etwas Reifenpflege für den abgerundeten Eindruck aufgetragen.

Alles nötige für die  schonende Pflege eures Fahrzeugs findet ihr direkt bei uns zur Abholung.

Waschhandschuh und Schampoo
Trockentuch auf Fahrzeuglack
verschmutzte Kofferraumkante
gereinigte Kofferraumkante
Porsche Cayenne GTS
Porsche 911 Targa